Udo di Fabio-Brevier

Udo di Fabio
Die Kultur der Freiheit

(Exzerpt von S. Fischer, Eberswalde)

Der Westen gerät in Gefahr,
weil eine falsche Idee der
Freiheit die Alltagsvernunft
zerstört.

Inhalt
Vorwort
VI Freiheit leben
VII Freiheit braucht Gemeinschaft
I Kultur
S. 2 Früher war es das christliche Abendland
S. 3 Heute steht Westen für Offene Märkte
S.4/5 (Rhetorische) Fragen
S. 6 Überheblichkeit
S.7 Es ist längst zu besichtigen
S. 8 Radikalisierung schwächt
S. 9 Angst
S. 10 Widerstand
II Selbstgefährdung des Westens
S. 12 Formalisierte Sozialsysteme
S. 15 Das Einheits-Problem
S. 45 Das „Elend der herrschenden (EU-)Kultur“
S. 54 …wie im Mittelalter
S. 55 Freiheit durch Vielfalt
S. 56 Erfolg in Freiheit
S. 57 „Risiken der Freiheit ohne Einheit“ – Sehnsucht nach Einheit
S. 58 Politik ist autonom, aber wird zu einer Last
III Menschenbilder – Weltbilder
S. 67 Kultur ist mehr als nur Gesetze
IV Idee und System der Freiheit
S.77 Anstandsregel
S. 80 Progressivitäts-Attitüde
S. 85 Bindungen selbst bestimmen
S. 89 Nudging
V. Gleichheit und Gegenseitigkeit
S. 97 Ebenbilder Gottes: ja – Glauben: nein
S. 99 Quellcode
S. 100 Liberale Gleichheit
S. 101 Missbrauch der Gleichheit
S. 103 Identität durch Abgrenzung
S. 115 Bürgerliches und öffentliches Recht
S. 120 Do ut des (lat.)
S. 122 Gegenseitigkeit
S. 125 Zurück ins Mittelalter?
S. 128 Wohlfahrtsstaat als Ursache
S. 131 Existenzbedrohliche Nachwuchsrate
S. 132 Kinderarmut ist frustrierend
S. 133 Warum steuert der Staat nicht mehr?
VIII. Religiöse Gemeinschaften
S. 169 Türkischer Laizismus als Abwehrstrategie
S. 178 Islamischer Religionsunterricht als Brückenschlag
S. 180 Kulturelle Ablehnung nicht immer unbegründet
S. 183 Integration heißt: durch gelebtes Glück überzeugen
IX. Nation
S.187 Zauber der Nation
S. 188 Deutsch gegen den westlichen mainstream
S. 189 Die neuen Eliten
S. 190 Konkurrenzsystem
S. 192 Parolen gegen die Nation
S. 193 Freiheitsverkürzung
S. 193 Zweifel
S. 194 Freiheitsbilanz negativ
S. 196 Moralisch abstoßend
S. 201 USA als Werte-Spender
S. 203
XI. Überstaatliche Gemeinschaften
XII. Kultur und Menschenrechte
XIII. Die Kultur der Freiheit

Vorwort
VI Freiheit leben
In einer freizügigen Gesellschaft muss Freiheit von den Menschen, von den Bürgern gelebt werden. Wer das tun will, wird sich auch selbst disziplinieren, für die eigene Ordnung des Lebens kämpfen, um für sich etwas zu erreichen, um gesetzte Ziele zu verwirklichen.
VII Freiheit braucht Gemeinschaft
Wir müssen stärker den Zusammenhang zwischen individueller Freiheit und unentbehrlichen Gemeinschaften -wie Familie, Nationen, Religionsgemeinschaften- beachten.

I Kultur
S. 2 Früher war es das christliche Abendland
Kultur ist vor allem anderen eine gemeinsame Lebenspraxis. Es geht vor allem um Lebenssinn, um das, was fast alle für gerecht und richtig, was man für böse oder hässlich hält. Der Begriff Westen steht heute für das, was früher das christliche Abendland war, im Kern handelt es sich um Europa, Nordamerika, Neuseeland und Australien.
S. 3 Heute steht Westen für Offene Märkte
„Westen“ steht heute für (…) eine scheinbar kulturindifferente Kultur, die sich selbst in lediglich abstrakten Werten wie Freiheit oder Gleichheit, Demokratie oder Offene Märkte beschreibt.
S.4/5 (Rhetorische) Fragen
Sind westliche Werte allgemeingültig?
Frieden durch Vereinheitlichung der Kulturen?
S. 6 Überheblichkeit
Aus demselben überzogenen Selbstbewusstsein heraus lassen europäische Staaten heute massenweise Einwanderung aus anderen Kulturräumen zu, weil sie meinen, ihrer universellen Kultur der Toleranz würden am Ende alle unterliegen, sie werde ohne besonderes Zutun alle überzeugen und anstecken. Der Westen scheint nicht (…) zu verstehen, dass seine (…) kulturelle Indifferenz entweder als arrogante Überheblichkeit oder als unverzeihliche Schwäche betrachtet werden kann.
S.7 Es ist längst zu besichtigen
Im Innern der westlichen Gesellschaften ist längst zu besichtigen, dass die (…) aggressive Kritik gegen Tradition, geschichtliches Selbstverständnis, überlieferte Kulturleistungen, auch gegen (…) Alltagsvernunft und (…) Lebensweisheit massiv die Grundlagen für Freiheit und Gleichheit gefährdet.
S. 8 Radikalisierung schwächt
Die Radikalisierung des Freiheits- und Gleichheitsgedankens, (…) der Verzicht auf metaphysische, traditionelle oder auch nur lebenspraktische Grundlagen hat die Überzeugungskraft der Freiheit wie der Gleichheit nicht gestärkt, sondern geschwächt.
S. 9 Angst
Die Angst vor dem terroristischen Attentat lässt die immer notwendige Abwägung zwischen Freiheit und Sicherheit heute schon allzu leicht in Richtung Sicherheit ausschlagen: (…) weil es ohne Sicherheit keine Freiheit gibt. (Es ist ein Indiz für eine Selbstgefährdung der Freiheit, wenn die Umkehrung weniger einleuchtend wird.)
S. 10 Widerstand
Die neue herrschende soziale Norm ist die schweigend duldende Toleranz, gefordert ist eine biegsame Anpassung an die Grundnorm, nicht anzuecken. (…) Es ist an der Zeit, darüber nachzudenken, wieso unsere Kultur heute Gleichgültigkeit, zum Teil sogar fanatischen gewalttätigen Widerstand auslöst.

II Selbstgefährdung des Westens
S. 12 Formalisierte Sozialsysteme
Das westliche Wertesystem gründet sich auf der Prämisse individueller Freiheit und der Organisation der Gesellschaft entlang der Eigenlogik formalisierter Sozialsysteme wie der Wirtschaft, der Politik, der Wissenschaft oder des Rechts.
S. 15 Das Einheits-Problem
(…) weltweit operierende Unternehmen verlieren mitunter den Kompass (…) Die politischen Systeme der Staaten überreizen ihre Mittel (…) Das Recht überbordet, kann seine geistige Einheit und die Kraft des rationalen Entscheids kaum noch wahren.
S. 45 Das „Elend der herrschenden (EU-)Kultur“
Ewiger Fortschritt… Wer besonders progressiv sein will, dem fällt beispielsweise zum Fortgang der EU regelmäßig nur der Bundesstaat ein, jenem staatlichen Bauprinzip des 19. Jahrhunderts folgend.
S. 54 …wie im Mittelalter
Sie wie im europäischen Mittelalter (…) die katholische Kirche möglichst nur das an Entwicklung zugelassen hat, was ihre Glaubens- und Herrschaftsgrundlagen nicht zu erschüttern drohte, , so herrschen heute die Logik weltwirtschaftlichen Wettbewerbs und eine (…) technokratische Methode der Politikgestaltung, die sich immer weiter von den lebensweltlichen Mustern der Volksherrschaft entfernt.
S. 55 Freiheit durch Vielfalt
„Der Verzicht auf Einheit macht Freiheit möglich.“
S. 56 Erfolg in Freiheit
Doch wer die Logik der Systeme wie eine Klaviatur beherrscht, der ist erfolgreich und kann eine, in traditionellen Gesellschaften unvorstellbare Bewegungsfreiheit erlangen. (…)
Keine Zentralinstanz, keine Kaste von Priestern oder gottbegnadeten Herrschergestalten, keine übermächtige Tradition, keine retardierende Macht von Familienclans (…) behindert das immer weitere Wachstum.
S. 57 „Risiken der Freiheit ohne Einheit“ – Sehnsucht nach Einheit
Position A: mehr politische Anstrengungen (etatistisches Einheitsprojekt)
Position B: Etatismus ist Denkfehler und rückwärtsgewandte Grundhaltung! Statt dessen Ordnungsrahmen für Wirtschaft und Wissenschaft! Und: Politik muss einen Rahmen im RECHT, in der wirtschaftlichen Vernunft und im Wertesystem von Gemeinschaften finden.
Daraus ergeben sich in der Welt der Politik zwei Lager: ein eher sozialen Interventionen zuneigendes und ein eher liberal-wirtschaftsfreundliches (Lager).

S. 58 Politik ist autonom, aber wird zu einer Last
Wer in der Politik nur einen Appendix (…) der Wirtschaft sieht, wird schnell erkennen müssen, dass Wirtschaftseliten ungefähr so viel politischen Verstand besitzen, wie Politiker etwas von rentabler Unternehmensführung verstehen.
Die Autonomie des politischen Systems ist zu einer argen Last für die Gesellschaft geworden. Die immer weitere Stärkung politischer Herrschaft, die Produktion immer neuer Gesetze lähmt die Gesellschaft, die Verrechtlichung aller Lebensbereiche droht die Alltagsvernunft zu zerstören, die Umverteilung des Wohlstandes gefährdet dessen Wurzeln.

III Menschenbilder – Weltbilder
S. 67 Kultur ist mehr als nur Gesetze
Das, was politische Herrschaft als ihr Wertesystem bezeichnet (Grund- und Menschenrechte), ist deshalb alles andere als identisch mit der Kultur einer Gesellschaft. Zentrale Werte der bürgerlichen Welt galten dem richtigen praktischen Lebensentwurf. Ehe und Liebe, Kinder und eine intakte Welt der Familie waren ebenso wichtig wie die Ideale der Höflichkeit, der Bildung, der Verbundenheit, der Loyalität und des Anstandes, der Aufrichtigkeit und des Fleißes, der zupackenden Vitalität und der religiös verankerten Demut.
IV Idee und System der Freiheit
S.77 Anstandsregel
Nach dem Verlust einer Anstandsregel ist die Bilanz für die Freiheit negativ. (Weil in diesem Fall häufig der Gesetzgeber tätig wird…)
S. 80 Progressivitäts-Attitüde
Doch ein Grundproblem auch des Sozialstaates liegt in der kulturell herrschenden Progressivitäts-Attitüde(…) „je mehr, desto besser…“.
Dazu Paul Kirchhoff: „Die Freiheit vom Staat, die den selbstbewussten, zur autonomen Gestaltung seines Lebens fähigen Menschen voraussetzt, wandelt sich zu einer Freiheit durch den Staat. (…) (Eine) Mehrheit definiert sich als sozial schwach (…). Demokratische Stärke verkleidet sich als soziale Schwäche. Der Sozialstaat widerlegt sich selbst.“
S. 85 Bindungen selbst bestimmen
Frei sein bedeutet, über seine Bindungen selbst zu bestimmen, Gemeinschaften zu suchen, zu gründen (…).
S. 89 Nudging
Die neue politische Steuerungstechnik, Menschen mit einer Fülle von finanziellen Anreizen zu einem Verhalten zu bringen, (und Einrichtungen wie die Vertragsfreiheit, die Forschungs- und Lehrfreiheit, auch die Pressefreiheit und Meinungsfreiheit mit politisch definierten Sozialpflichten zu belasten) verringert Schritt für Schritt den Freiheitsraum, den solche Einrichtungen eröffnen.

V. Gleichheit und Gegenseitigkeit
S. 97 Ebenbilder Gottes: ja – Glauben: nein
Der in politische Aufklärung sich verengende Humanismus, in dem die westliche Kulturleistung der Freiheit ideengeschichtlich gewissermaßen aufliegt, verwirklicht den christlichen Gedanken der Gleichheit aller Kinder Gottes.
Die biblische Offenbarung, wonach jeder einzelne Mensch ein Ebenbild Gottes sei, wird von seiner transzendenten theologischen Wurzel und den praktischen Demuts-Ermahnungen getrennt.
S. 99 Quellcode
Diese humanistische Setzung zerstört die religiöse Einheit des Mittelalters. Sie ist zugleich der Ausgangspunkt, der Quellcode unseres gesamten modernen Weltbildes.
S. 100 Liberale Gleichheit
„Gleichheit heißt, dass jeder gleich viel zählen soll, nicht, dass jeder gleich viel bekommen soll.“
S. 101 Missbrauch der Gleichheit
Der Gleichheitsgrundsatz kann sich ohne die alltägliche Anschauung, was Aufmerksamkeit verdient, was vernünftig und gerecht ist, aus seinen lebenspraktischen Verankerungen losreißen und zu einem sozialtechnischen Herrschaftsinstrument werden, mit dem politische Eliten ihre jeweiligen Modethemen zu fundamentalen Gerechtigkeitsanliegen hochstilisieren.
S. 103 Identität durch Abgrenzung
(Denn) jede Gemeinschaft muss eine Grenze zur sozialen Umwelt setzen, sonst kann sie keine kraftspendende Identität gewinnen. Die Logik der freien Gemeinschaft, die Logik des Verfassungsstaates liegt darin, die Abgrenzung nicht aggressiv und feindlich, sondern zivil und human zu ziehen, dafür stehen die Menschenrechte.
S. 115 Bürgerliches und öffentliches Recht
Dies (Beachtung des Willens der Mitmenschen) gewährleistet die bürgerliche Rechtsordnung, die Willenserklärungen und ihre Folgen in den Mittelpunkt (…) stellt und mit der Privatautonomie eine Zweitcodierung des Prinzips der Selbstverantwortung (…) vornimmt.
Das öffentliche Recht kopiert das bürgerliche Gesellschaftsmodell (…). Vertragsfreiheit, rechtsstaatliches schuldangemessenes Strafen und freies und gleiches Wahlrecht gehören untrennbar zusammen, weil sie demselben Quellcode gehorchen.
Gerecht ist eine solche Gesellschaft der Freien, wenn das Konstruktionsprinzip der Freiheit (…) jedem die Chance gibt, möglichst viel von seiner Biographie, seinem Leben durch eigene Entscheidungen (…) bestimmen zu können.
S. 120 Do ut des (lat.)
Soziale Beziehungen beruhen auf dem Gedanken des Tausches, des Gebens und Nehmens, des Äquivalentes, des Ausgleichs, eine „do ut des“. (Prinzip der Gegenseitigkeit: „Ich gebe, damit Du gibst.“)

S. 122 Gegenseitigkeit
Formalisierte Tauschbeziehungen sind nur ein Sonderfall, eine Teilmenge der Gegenseitigkeit, so wie Gewalt ein Sonderfall der Macht ist. (Niklas Lumann: Macht)
Die Wirtschaft kann bei all ihrer Bedeutung, nicht der Quellcode der Gesellschaft sein.
S. 125 Zurück ins Mittelalter?
Wer als staatlicher Gesetzgeber sich immer mehr vom einzelnen und allgemein gedachten Bürger entfernt, und die Gesellschaft als Ensemble von Gruppen und Interessenverbänden begreift, zerstört über kurz oder lang die Voraussetzungen des modernen Menschenbildes.
Wer durch Gesetzgebung beginnt, die Privatrechtssubjekte unter den Generalverdacht des Rassismus (…) zu stellen (…), verengt den Raum gesellschaftlicher Freiheit, rückt ab von der selbstverständlichen Rechtsgleichheit, teilt Rechte nach Gruppen zu, verstaatlicht private Lebensverhältnisse, politisiert den Alltag. Die Einteilung der Gesellschaft in Gruppen (…) öffnet womöglich die Tore zu einem neuen Mittelalter, in dem nicht der Mensch als Individuum, sondern die harmonische Ordnung der Gruppen untereinander das Leitbild ist.
S. 128 Wohlfahrtsstaat als Ursache
Eine praktische Ursache für die fehlende oder verformte Alltagsvernunft liegt in der Entwicklung des modernen Wohlfahrtsstaates.
S. 131 Existenzbedrohliche Nachwuchsrate
Die Gesellschaften des Westens können auf Dauer mit der Nachwuchsrate der Gegenwart nicht existieren. Wenn in Deutschland wie in vielen anderen Staaten des Westens ein immer größer werdender Teil des akademisch gebildeten Mittelstandes kinderlos bleibt, geht die Erziehungskompetenz fast einer halben Generation Akademiker verloren mit absehbaren Folgen für die gesellschaftliche Verfassung in den nächsten Jahrzehnten.
S. 132 Kinderarmut ist frustrierend
Eine kinderarme, überalternde Gesellschaft erzeugt fast zwangsläufig mehr Unentschiedenheit, mehr Pessimismus und mehr Versorgungserwartung, als sie zupackende Entschluss- und Lebensfreude hervorbringt.
S. 133 Warum steuert der Staat nicht mehr?
Warum ist es möglich, dass Kinderlose besser ihre beruflichen Chancen in der Erwerbsarbeit nutzen und besser Eigentum als Zukunftsvorsorge bilden können, ohne ernsthaften Versuch von Staat und Gesellschaft, hier auszugleichen?

VIII. Religiöse Gemeinschaften
S. 169 Türkischer Laizismus als Abwehrstrategie
In der Türkei ist der Laizismus (Trennung von Kirche und Staat) immer eine gleichsam offensive Abwehrstrategie, mit der die westliche orientierte Ober- und Mittelschicht islamische ganzheitliche Gesellschaftsvorstellungen aus den Schaltzentralen von Staat und Gesellschaft fern hält.
S. 178 Islamischer Religionsunterricht als Brückenschlag
Aus dieser Sicht müsste man deshalb verlangen, den islamischen Religionsbekenntnissen vor allem deshalb entgegen zu kommen, ihnen etwa die Möglichkeit zu eröffnen, Religionsunterricht in staatlichen Schulen zu erteilen, damit auch sie sich ihrerseits in den Prozess der Co-Evolution und wechselseitigen Öffnung zu begeben.
S. 180 Kulturelle Ablehnung nicht immer unbegründet
Wir sollten deshalb die kulturelle Ablehnung solcher sehr neuen kulturellen Ansichten (z. B. Gendering, der Verf.) zum Verhältnis der Geschlechter und ihre Umsetzung in geltendes Recht nicht umstandslos als Angriff auf unsere freiheitliche Weltordnung betrachten.
S. 183 Integration heißt: durch gelebtes Glück überzeugen
Integration heißt, durch das Vorbild guten, kraftvollen Lebens die Hinzugekommenen in ihrer kulturellen Orientierung auf die Seite zu ziehen, heißt, durch gelebtes Glück überzeugen.

IX. Nation
S.187 Zauber der Nation
Es kommt darauf an, kalkulierend und wissend, eben rational, ein Stück des Zaubers wieder zuzulassen, der der Kultur des Westens wie jeder vitalen Kultur einst Pate stand.
S. 188 Deutsch gegen den westlichen mainstream
Thomas Mann dagegen berief sich, in seinen „Betrachtungen eines Unpolitischen“ auf den Stolz und die Würde, die auch im ritterlichen Gehorsam liegt (…), es ging ihm um die deutsche Kultur, die sich mit aller Macht (…) gegen den westlichen mainstream stemmt, eine einmalig tragische und katastrophale Geste, die aber bis heute etwa in islamischen Staaten nicht gänzlich vergessen ist.
S. 189 Die neuen Eliten
Die Eliten der Nationen gehen zum Teil wieder in neuen Netzwerken auf, so wie die alte europäische Aristokratie sich sehr zählebig als übernational empfunden hatte und mit der anhebenden nationalen Begeisterung deshalb lange Zeit wenig anfangen konnte.
S. 190 Konkurrenzsystem
Im westlichen Wertesystem ist politische Herrschaft nur dann legitim und dem individuellen Freiheitsethos angemessen, wenn eine Gemeinschaft aus gleichen und freien Bürgern besteht, in der jeder (…) auch tatsächlich mit Mehrheitsentscheidungen in einem Konkurrenzsystem die Ämtervergabe für Gesetzgebung, Regierung, Verwaltung und Rechtsprechung kontrolliert.
S. 192 Parolen gegen die Nation
Sollten eigentlich die kulturellen Meinungsführer der Nation als Gemeinschaft noch etwas abgewinnen? (…) Im temporären Schema der Progressiven ist die Antwort deutlich vorgezeichnet. Alles „Alte“ zu verabschieden, lautet die ewig moderne Parole. (…) Für den eng verwandten politischen Aufklärer, verharrend auf der ersten naiven Reflexionsstufe, liegt der Fall ebenfalls klar. Die Nation enthält ein gerüttelt Maß an Emotion, Legende und Mythos (…), hat sich aus seiner Sicht historisch wegen Irrationalität auch gründlich diskreditiert.
S. 193 Freiheitsverkürzung
Bereits heute ist sichtbar, dass die übernationalen Eliten für sich zwar (…) Freiheitsgewinne verbuchen können, aber die große Zahl der Bürger eines Staates sich womoglich in einer freiheitsverkürzten Welt wiederfinden könnte.
S. 193 Zweifel
Wenn Staaten nicht mehr vermögen, die kulturellen Rahmenbedingungen (…) zu garantieren, verliert das grundlegende Zeichensystem der Menschen an Eindeutigkeit, entsteht Raum für Zweifel (…).
S. 194 Freiheitsbilanz negativ
Wenn der Nationalstaat seine Bürger nicht mehr vor dem Zugriff einer fremden Staatsgewalt schützen kann oder will, wenn er die Herrschaft über die Bewohner seines Territoriums (…) durch die Internationalisierung des Einwanderungsrechtes sowie (durch) die Faktizität illegaler Einwanderung verliert, wenn einzelne Staaten sich als unfähig erweisen, ihre Staatsfinanzen in einer freiheitsgerechten Weise zu kontrollieren, oder Sicherheitsbedrohungen für ihre Bürger abzuwehren und wirtschaftliche Prosperität zu fördern, dann ist die Freiheitsbilanz für den Einzelnen eindeutig negativ. Der Start verliert seine Funktion, ein freiheitlich verfasster Kulturraum zu sein (…). Zu solchen Fehlentwicklungen kann es kommen, wenn man den politischen Prozess (…) in der Logik der Steigerungsrhetorik moralisiert, also (…) alles, was sich als „Neu“ etikettiert, dem Alten vorzieht, oder alles, was der europäischen Integration nutzt(…), als undiskutierbar behandelt.
S. 196 Moralisch abstoßend
Die Versuche der Rechtsradikalen und Nationalkonservativen, diesem deutschen Trauma durch Leugnung (…) der nationalsozialistischen Verbrechen (…) zu entkommen, waren und sind (…) vor allem moralisch abstoßend.
S. 201 USA als Werte-Spender
Es waren die USA, die sich für eine solche Idee des Selbstbestimmungsrechtes der Völker, für den freien Welthandel und für die weltweite politische Zusammenarbeit stark machten. (…)
Die Weimarer Republik kann als der fehlgeschlagene Versuch gedeutet werden, Deutschland an die politische Kultur des Westens wieder vollständig anzuschließen.
S. 203
Die Grundthese zur Hitler-Diktatur lautet: Die deutsche Nationalkultur sei im Hitler-Regime folgerichtig kulminiert. (…) Eine solche geschichtsteleologische Interpretation (…) erzeugt ein negatives Selbstbild (…), den Hang zur Leugnung und Demontage der eigenen Nationalkultur.

XI. Überstaatliche Gemeinschaften
XII. Kultur und Menschenrechte
XIII. Die Kultur der Freiheit

Pdf-Version:

Die Kultur der Freiheit